Riegelsberg 2004

SZ vom 02. November 2004

Heiter und ernst, erotisch und ironisch

Debüt der Vokalgruppe Liedschatten in Riegelsberg

Von SZ-Mitarbeiterin Beatrix Hoffmann

Riegelsberg. "Überall ist Wunderland/ bei meiner Tante im Strumpfband/ und irgendwo daneben" - die musikalische Reise mit der Vokalgruppe Liedschatten und den zwischendrin von Heinrich Lukas Woll vorgetragenen Versen führte wirklich überall hin.

"Eine plus acht Sängerinnen reisen musikalisch um die Welt", hieß es viel versprechend im Programm. Der Anspruch wurde bestens eingelöst mit französischen Chansons, jiddischen Volksliedern, einer afrikanischen Hymne inklusive Text in Xhosa, Zulu und Sesotho, mit Liedern von Krieg und Liebe, bekannten Brodway-Songs sowie einem Rosen-Spezial, das von Gertrude Stein über Goethe zum Filmsong "The Rose" führte.

Das Publikum im Kulturtreff Wacker, wie sich Jochems Kneipe seit Neuestem nennt, saß dicht an dicht und ließ sich quer durch Epochen, Stile, Stimmungen und Länder führen. Mit wenigen Handgriffen veränderte die Gruppe das Bühnenbild: Mal zogen sie zarten Vorhängen schwarze Trauerschleifchen an, mal flackerten Kerzen geheimnisvoll zum Minnelied. Ringelnatz, Heinz Erhard, Tucholsky, Heinrich Heine kamen zwischen den einzelnen musikalischen Programmpunkten eindrucksvoll zu Gehör - Woll rezitierte nicht nur, er erzählte auch Interessantes über die Dichter. So berichtete er etwa, dass Wilhelm Busch ursprünglich Maler war und im Stil von Rembrand arbeitete. Oder dass Ringelnatz als Kabarettist so begehrt war, dass er von Auftritt zu Auftritt im Flugzeug reiste. Heiterkeit und Ernst, Erotik und Ironie fügten sich atmosphärisch dicht zum gelungenen Abend zusammen. So stieg die Stimmung, die Kostüme wurden glitzernder, zum schicken Schwarz gesellten sich leuchtendes Pink und Pailletten.

Man wedelt jetzt mit Pleureusen, lässt Blumen am Busen und Fußknöchel wippen. Katja Linn-Woll singt "Non, je ne regrette rien" und "Mylord". Katinka Busse gibt "The Boy from New York City" und Chorleiterin Susanne Thewes "Live is a cabaret, old chum". Das ist alles hinreissend und mitreissend. Das Publikum applaudiert, ruft "Bravo" und Zugabe. Und manch einer wünscht sich, dass nach der gelungenen Premiere eine zweite Aufführung in Riegelsberg auf die Bühne kommt.

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